Das Tarot
Ein Deck mit 78 Karten aus sechs Jahrhunderten Entwicklung: Das Tarot verbindet 22 Große Arkana mit 56 Kleinen Arkana in vier Farben — eine vollständige Symbolsprache für fast jede Lebenslage. Durchstöbern Sie die Decks und erkunden Sie das System Karte für Karte.
- 78
- Karten
- 22
- Große Arkana
- 56
- Kleine Arkana
- 4
- Farben
Tarot-Decks
Jedes unten aufgeführte Deck folgt der 78-Karten-Struktur des Tarot. Öffnen Sie eines, um seine Karten zu entdecken, oder erkunden Sie das gemeinsame System dahinter.
The Tarot of Beijing
Seventy-eight arcana redrawn in the hutongs of old Beijing.
Das Tarot von New York City
Achtundsiebzig Arkana, neu verdrahtet für die fünf Stadtbezirke.
Rider-Waite-Smith Tarot
Das Deck, das das moderne Tarot definierte.
Was ist das Tarot?
Das Tarot ist ein System aus 78 Karten. Im Italien des 15. Jahrhunderts als Kartenspiel entstanden, wurde es über sechs Jahrhunderte zu einem Grundtext der westlichen Esoterik und einem modernen Werkzeug zur Selbstreflexion. Seine Beständigkeit liegt in der Struktur: ein fester Satz von Bildern, den jede Epoche neu deuten kann.
Ein Deck in zwei Hälften
Jedes Tarot-Deck teilt sich in zwei Bereiche: Die Großen Arkana bestehen aus 22 Trumpfkarten (vom Narren bis zur Welt), die archetypische Wendepunkte des Lebens nachzeichnen. Die Kleinen Arkana umfassen 56 Karten in vier Farben für den Alltag: Arbeit, Gefühle, Gedanken und materielle Belange. Zusammen decken sie die Spanne vom Mythischen bis zum Alltäglichen ab.
Vier Farben, vier Elemente
Die Kleinen Arkana unterteilen sich in Stäbe (Feuer), Kelche (Wasser), Schwerter (Luft) und Münzen (Erde). Diese Zuordnung formalisierte Ende des 19. Jahrhunderts der Hermetic Order of the Golden Dawn, der jede Farbe einer der vier kabbalistischen Welten zuordnete: vom ersten Impuls bis zur physischen Form. Jede Farbe verläuft von Ass bis Zehn, gefolgt von vier Hofkarten: Page, Ritter, Königin und König.
Die Reise des Narren
In ihrer Reihenfolge gelesen bilden die 22 Großen Arkana eine zusammenhängende Geschichte, die Eden Gray in den 1970er-Jahren „Reise des Narren“ nannte. Der Narr (0) tritt am Abgrund in einen neuen Zyklus ein und durchläuft drei Gruppen zu je sieben Karten: die Formung des Selbst, den Abstieg durch Krise und Schatten sowie die Integration in der Welt. Es ist dieselbe Struktur, die Joseph Campbell als Heldenreise beschrieb.
Der Rider-Waite-Smith-Standard
Im Jahr 1909 veröffentlichten Arthur Edward Waite und die Künstlerin Pamela Colman Smith das Rider-Waite-Smith-Deck. Der Durchbruch lag in den Illustrationen: Colman Smith zeichnete jede Karte der Kleinen Arkana als menschliche Szene statt als bloße Anordnung von Farbsymbolen. Das verwandelte ein abstraktes Symbolsystem in ein Deck, das beinahe jeder intuitiv lesen konnte. Waite tauschte zudem Kraft (auf VIII) und Gerechtigkeit (auf XI), um die Trümpfe mit dem Tierkreis auszurichten. Das Deck wurde zum weltweiten Standard und dient in der Tarot Academy als Referenz.
Die Struktur des Tarot
Das Rider-Waite-Smith-Deck dient in der Tarot Academy als kanonische Referenz. Jedes Deck interpretiert dasselbe Grundgerüst neu: 22 Trumpfkarten und 56 Farbkarten.
Große Arkana 22
Die 22 Trumpfkarten, nummeriert von 0 bis 21. Sie bilden das archetypische Rückgrat des Decks: Jede Karte steht für ein zentrales Lebensthema, vom Anfang bis zur Vollendung.
- 0/XXII Der Narr
- I Der Magier
- II Die Hohepriesterin
- III Die Herrscherin
- IV Der Herrscher
- V Der Hierophant
- VI Die Liebenden
- VII Der Wagen
- VIII Kraft
- IX Der Eremit
- X Rad des Schicksals
- XI Gerechtigkeit
- XII Der Gehängte
- XIII Tod
- XIV Mäßigkeit
- XV Der Teufel
- XVI Der Turm
- XVII Der Stern
- XVIII Der Mond
- XIX Die Sonne
- XX Gericht
- XXI Die Welt
Kleine Arkana 56
56 Farbkarten in vier Elementen. Während die Großen Arkana in Archetypen sprechen, beschreiben die Kleinen Arkana den Alltag: Situationen, Gefühle, Entscheidungen und Ergebnisse.
Stäbe Feuer
Antrieb, Kreativität, Leidenschaft und Wille. Der Impuls einer Idee und die Energie zur Umsetzung.
Kelche Wasser
Gefühl, Beziehung, Intuition und Verbundenheit. Das Innenleben und Herzensangelegenheiten.
Schwerter Luft
Denken, Konflikt, Wahrheit und Kommunikation. Der Verstand bei der Arbeit, im Guten wie im Schlechten.
Münzen Erde
Arbeit, Geld, Körper und die materielle Welt. Was aufgebaut, gehalten und verwirklicht wird.
Das Tarot: Vom Kartentisch zum inneren Kompass
Ein Spiel, bevor es zum Orakel wurde
Das Tarot begann als Unterhaltung. An den Höfen Oberitaliens in den 1430er- und 1440er-Jahren gaben wohlhabende Familien wie die Visconti und Sforza aus Mailand handbemalte Trionfi-Decks (Triumphe) für ein Stichspiel in Auftrag, das dem modernen Bridge ähnelte. Die ältesten erhaltenen Karten, wie das an der Yale-Universität aufbewahrte Deck Visconti di Modrone, werden anhand von Wasserzeichen auf 1437–1442 datiert. Es waren Luxusgüter: Blattgold hinter den Trümpfen und Hofkarten, Silberschicht hinter den Zahlenkarten, bemalt mit Angehörigen der herrschenden Häuser in damaliger Festkleidung. Abnutzungsspuren zeigen, dass sie tatsächlich im Spiel genutzt wurden.
Die zweiteilige Struktur, die das Deck bis heute prägt, bestand von Anfang an: Vier Farben (Kelche, Schwerter, Stäbe und Münzen) trugen die Alltagskarten, darüber ein Set aus 21 nummerierten Trümpfen sowie ein unnummerierter Narr. Aus diesen Trümpfen wurden die Großen Arkana; die Farbkarten bilden die Kleinen Arkana. Das früheste vollständig erhaltene 78-Karten-Deck, das Sola-Busca-Tarot, trug bereits eine vielschichtige, alchemistische Bildsprache, die weit über ein gewöhnliches Kartenspiel hinausging.
Wie aus einem Gesellschaftsspiel Wahrsagerei wurde
Der Wandel vom Spiel zur Wahrsagerei vollzog sich in Frankreich. 1781 veröffentlichte der Pastor Antoine Court de Gébelin eine umfangreiche Abhandlung, in der er behauptete, die Karten seien das letzte überlebende Fragment alter ägyptischer Weisheit: ein verlorenes „Buch Thot“, das über Jahrhunderte bewahrt wurde. Für diese Theorie gibt es zwar keinerlei historische Belege, doch sie traf mitten in die europäische Ägypten-Begeisterung und blieb haften. Etwa zur selben Zeit verfasste der Okkultist Jean-Baptiste Alliette unter dem Pseudonym Etteilla eines der ersten Handbücher zum Kartenlegen: Er wies jeder Karte eine feste Bedeutung zu, definierte Legesysteme und führte das Lesen umgekehrter Karten ein. Gemeinsam machten sie aus dem Kartenspiel ein Werkzeug der Zukunftsdeutung.
Der Golden Dawn und das Rider-Waite-Smith-Deck
Seine systematischste Form erreichte das Tarot im viktorianischen England. Éliphas Lévi verknüpfte die 22 Trümpfe mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und den 22 Pfaden des kabbalistischen Lebensbaums. Der 1888 in London gegründete Hermetic Order of the Golden Dawn baute diesen Ansatz zu einem System fester Entsprechungen aus. Er ordnete das gesamte 78-Karten-Deck dem Lebensbaum zu und legte das Ordnungsschema fest, das bis heute gilt: Stäbe für Feuer, Kelche für Wasser, Schwerter für Luft und Münzen für Erde. Jede Farbe verläuft von Ass bis Zehn und umfasst vier Hofkarten.
Diese Strenge verlangte nach einer neuen Bildsprache. 1909 veröffentlichten das Golden-Dawn-Mitglied Arthur Edward Waite und die Künstlerin Pamela Colman Smith das Rider-Waite-Smith-Deck. Waite vertauschte die Nummern von Kraft und Gerechtigkeit (Kraft rückte auf VIII, Gerechtigkeit auf XI), um die Trümpfe mit dem Tierkreis abzugleichen. Colman Smith schuf noch Dauerhafteres: Sie illustrierte jede Karte der Kleinen Arkana mit einer menschlichen Szene statt mit bloßen Farbsymbolen. Dadurch wurde eine Acht der Schwerter oder eine Zehn der Kelche auf einen Blick verständlich. Diese Entscheidung verwandelte ein abstraktes Symbolsystem in ein sprechendes Bildsystem. Darum dient das RWS-Deck in der Tarot Academy als Referenz.
Die Reise des Narren
In ihrer Reihenfolge gelesen erzählen die Großen Arkana eine fortlaufende Geschichte. Die Autorin Eden Gray nannte sie in den 1970er-Jahren „Die Reise des Narren“. Der Narr mit der Nummer 0 tritt am Abgrund in einen neuen Zyklus ein und durchläuft drei Gruppen zu je sieben Karten: die Formung des Selbst, den Abstieg durch Krise und Schatten sowie die Integration in der Welt. Es ist dieselbe Struktur, die Joseph Campbell als Heldenreise beschrieb.
Das moderne Deck: Projektion und Therapie
Im 20. Jahrhundert wich das okkulte Gerüst einer psychologischen Sicht. Carl Gustav Jung sah in den Karten keine geheimen Kräfte, sondern Muster des kollektiven Unbewussten. Für säkulare Ratsuchende ähnelt das Deck eher einem Rorschach-Test: 78 gedruckte Bilder ohne eigene Macht, nützlich, weil ein vielschichtiges Bild dazu anregt, die eigene Situation zu spiegeln. Therapeuten nutzen Tarot auf ähnliche Weise: als visuelles Vokabular, um Gefühle zu benennen, auf Distanz zu betrachten und auszusprechen. Der Wert liegt stets im Betrachter, nicht in der Karte.
Dieselbe Offenheit birgt das Risiko des Missbrauchs. Auf sozialen Plattformen nutzen kurze „Kollektivlegungen“ oft den Barnum-Effekt: die Neigung, vage, schmeichelhafte Aussagen so zu verstehen, als seien sie persönlich gemeint. Erfahrene Kartenleger, ob esoterisch oder pragmatisch, lenken Fragen nach innen. Statt „Wird sie zurückkommen?“ fragen sie: „Was projiziere ich hinein und was wünsche ich mir wirklich?“ Darin liegt der Nutzen des Decks: als klarer Spiegel statt als Kristallkugel.
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