Auf einen Blick
- Planet
- Mars
- Volksregel
- Das Feenvolk kann es nicht ertragen
- Häufige Formen
- Nägel, Hufeisen, Scheren, Messer, Schlüssel, Nadeln
- Platzierung
- Schwelle, Wiege, Matratze, Stalltür
- Kaltes Eisen bedeutet
- Eisen, mit Nachdruck; keine besondere Sorte
- Theorie
- Eine bronzezeitliche Erinnerung an ein neues Metall
Die Regel
Im irischen, schottischen, englischen, skandinavischen, deutschen und slawischen Volksglauben gilt: Eisen wehrt ab. Das Feenvolk kann sich ihm nicht nähern. Hexen werden dadurch gehemmt. Ruhelose Tote überqueren es nicht. Wechselbälger werden damit geprüft und vertrieben.
Die Anwendungen sind durchweg praktisch, was diesen Glauben von den meisten anderen in dieser Sammlung unterscheidet. Eine geöffnete Eisenschere unter der Matratze eines Säuglings. Ein Nagel, der in eine Wiege geschlagen wird. Ein Messer oder eine Zange quer über der Schwelle. Ein Hufeisen über der Tür. Ein Eisenschlüssel in der Tasche einer Wöchnerin in den ersten Wochen nach der Geburt. Nägel in einer Hexenflasche. Eine Klinge in einem Butterfass, das nicht schlagen will.
Es gibt kein Bildnis, keine Inschrift und kein Ritual. Das Metall selbst ist der Zauber.
Was kaltes Eisen bedeutet
Es hält sich die moderne Vorstellung, kaltes Eisen sei eine besondere Substanz, getrennt von gewöhnlichem Eisen, vielleicht meteoritischen Ursprungs oder ohne Hitze geschmiedet. Das trifft nicht zu. In der Folklore ist kaltes Eisen eine rhetorische Verstärkung, verwandt mit dem Begriff kalter Stahl: Es meint Eisen, und zwar mit aller Entschlossenheit.
Meteoriteneisen existiert tatsächlich und hat seine eigene Geschichte. Ägyptische Eisenperlen aus dem vierten Jahrtausend v. Chr. und der Dolch Tutanchamuns wurden daraus gefertigt, doch das ist eine andere Geschichte über das früheste Eisen vor der Verhüttung. Ein schottischer Bauer im Jahr 1850 meinte damit schlichtweg gewöhnliches Eisen.
Woher das Tabu stammen könnte
Die meistgenannte Erklärung ist historischer Natur: Die Naturgeister und Feenwesen seien die Erinnerung an ein früheres Volk oder eine frühere Epoche, und Eisen jenes Metall, das sie verdrängte. Nach dieser Lesart wich die Bevölkerung der Bronzezeit, oder die Ahnen in der Vorstellung ihrer Nachfahren, vor dem Metall in die Hügel zurück, das sie bezwang. Das Tabu bewahre somit einen technologischen Übergang.
Es ist eine einleuchtende Theorie, die sich jedoch nicht beweisen lässt. Sicherer lässt sich sagen, dass die Eisenverarbeitung in frühen Gesellschaften ein spezialisiertes, beinahe sakrales Handwerk war, dass Schmiede in verblüffend vielen voneinander unabhängigen Kulturen als magisch begabte Gestalten galten und dass ein Stoff, der im Feuer aus Stein gewonnen wurde, stets Glaubensvorstellungen anzog.
Zudem besteht eine schlichte materielle Tatsache: Aus Eisen bestanden Waffen und Werkzeuge. Ein Schutzmittel aus jenem Stoff, der schneidet, trug seine Schutzwirkung bereits sichtbar in sich.
Eisen und der Schmied
Der Schöpfer zählt ebenso viel wie das Material. Schmiede nehmen in der europäischen Folklore eine besondere Stellung ein: Wieland, Ilmarinen, Goibniu, die Schmiede-Heiligen und unzählige lokale Überlieferungen über Schmiede, die heilen, verfluchen, bannen und kurieren konnten.
Deshalb besitzt das Hufeisen eine so dichte Symbolik. Es besteht aus Eisen, hat die Form einer Mondsichel, trägt sieben Nägel und stammt aus der Hand eines Schmieds. Die Dunstan-Legende, die es erklärt, erzählt von einem heiliggesprochenen Metallhandwerker, der den Teufel an der Esse überlistete.
Wo ein Schutzmittel Eisen und einen Schmied verlangt, hält die Überlieferung dies meist ausdrücklich fest. Wo allein das Metall genügt, reicht ein Nagel. Genau dieser Umstand machte Eisen zum zugänglichsten Schutzstoff Europas.
Wie Eisen verwendet wird
Die Platzierung, nicht die Handwerkskunst, macht die gesamte Praxis aus.
- Eine geöffnete Eisenschere oder ein Messer unter die Matratze des Säuglings oder in die Wiege legen.
- Eisen quer über die Schwelle legen: eine Zange, ein Schüreisen, ein Messer oder ein Hufeisen unter die Stufe.
- Ein Hufeisen außen über die Tür nageln oder einen Nagel in den Türrahmen schlagen.
- Einen Eisenschlüssel oder Nagel in der Tasche tragen, wenn man nachts ausgeht oder unbekanntes Gelände betritt.
- Einen Nagel in ein Butterfass, eine Wiege oder einen Balken treiben, wenn befürchtet wird, dass finstere Mächte am Werk sind.
- Schlicht halten. Die Überlieferung legt keinen Wert auf Zierrat, und Rost mindert die Wirkung nicht.
Niemals eine geöffnete Schere oder Klinge in das tatsächliche Bett eines Kleinkindes legen. Der historische Brauch gehört in die Chronik; das moderne Gegenstück ist ein Hufeisen an der Wand.
Womit Eisen verbunden ist
Die Amulette, die daraus entstehen, und die Zwecke, denen es dient.
- Hufeisen Amulett Das erfolgreichste Eisenamulett der Welt, das den alten Glauben selbst in Haushalte trägt, die jeden Aberglauben bestreiten.
- Hexenflasche Amulett Nadeln und Nägel bilden den wirksamen Teil, und das Eisen ist der Grund für ihr Vorhandensein.
- Schutz und Abwehr Zweck Die grundlegende folkloristische Aufgabe des Eisens: Unerwünschtes fernzuhalten.
- Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Geburt Zweck Die dichteste Ansammlung von Eisenbräuchen umgibt Wiegen, das Kindbett und die Wochen nach der Niederkunft.
Fragen zur Reflexion
- Der Schutzgegenstand ist hier ein einfacher Nagel. Verliert ein Schutzobjekt an Kraft, weil es gewöhnlich ist?
- Ein ganzes Glaubenssystem spiegelt womöglich die Ankunft eines neuen Metalls wider. Welche Technologien mystifizieren wir heute?
- Eisen schützt, weil es schneidet. Sind die Dinge, die uns behüten, zumeist dieselben, die uns verletzen könnten?
Häufig gestellte Fragen
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